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Stoppt den Wahnsinn der Normalität

Gedicht einer jungen Frau nach einem Besuch bei ihren Eltern und Verwandten

 

Sie reden von Frieden
und kaufen die Bananen von der Hazienda, wo man die Bauern erschlug.
Sie hassen mich, wenn ich dazu etwas sage.
Sie reden von Freiheit
und trinken den Kaffee, den Sklavenhände ernten mussten.

Sie reden von Gesundheit
und benutzen Medizin, welche Versuchstiere lebendig seziert.
Sie reden von Schönheit
und töten die Schönheit des wilden, heiligen Lebens.
Fast hätten sie auch meine getötet.

Sie reden von Liebe
und ignorieren das Blut, das für ihren Konsum vergossen wurde.
Sie reden von Toleranz
und verurteilen die, die ihre Spiele nicht mehr mitspielen.
Sie reden von Humanität
und spielen mit in dem tödlichen Spiel,
das sie „Kultur“ nennen oder „Anstand“ oder „Moral“.

Sie reden von Gerechtigkeit
und sehen nicht mehr das himmelschreiende Unrecht in Läden,
Straßen und Fabriken, in Kirchen und Gerichten, in Zeitungen und
Fernsehen und in der dritten Welt, die für ihren Wohlstand zahlen muss.

Sie predigen auf Kongressen
und reagieren nicht mehr auf das Elend vor ihrer Haustür.
Sie reagieren nicht mehr auf die Folterkammern der Erde.
Sie wissen nicht, was es heißt, im Feuer zu sterben.
Sie brauchen nicht mehr zu trauern, denn sie haben aufgehört zu lieben.

Sie fragen uns, wenn wir nach Hause kommen,
ob wir in der richtigen Krankenversicherung sind
und denken fürsorglich an unsere Rente. 

 

Sind wir nicht selbst Ankläger und Angeklagte zugleich…?

Die damals 12-jährige Severn Suzuki legte mit ihrer Rede zur ersten Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung 1992 in Rio de Janeiro die Finger in die Wunde, unter der die Menschen, die Tiere, die Pflanzen und Mutter Erde selbst leiden – heute mehr, als jemals zuvor:

Severn „Killthgula Gaayaa“ (Haida, dt.: „Gute Rednerin“) Cullis-Suzuki, (* 30. November 1979 in Vancouver, British Columbia) ist eine kanadische Umweltaktivistin, Kulturbotschafterin, Referentin, Fernsehmoderatorin und Autorin. Außerdem ist sie Aufsichtsratsmitglied der Haida Gwaii Higher Education Society und der David Suzuki Foundation sowie Initiatorin zahlreicher zivilgesellschaftlicher Projekte.  > Vita

> Homepage von Severn Cullis-Suzuki

 

Was hat sich in diesen letzten 25 Jahren seit dieser Rede geändert?

Sicher, ohne den ehrenwerten Einsatz vieler Menschen in den zahlreichen NGOs (Nicht-Regierungsorganisationen) sähe unsere Welt noch viel schlimmer aus. Von den Frauen und Männern, die in den Parlamenten sitzen und die Vorgaben der Fraktionen und Minister nebst Kanzler/in abnicken und so nur den Anweisungen derer folgen, die das > Geschehen weltweit lenken, ist auch in naher Zukunft nichts Entscheidendes zur positiven Wende mehr zu erwarten.

Von der Matrix der Gewalt zur Matrix des Lebens

Wir müssen uns im Klaren sein, schreibt Dieter Duhm in seinem Buch „Die heilige Matrix“, dass die moderne Wirtschaftspolitik der Globalisierung, welche den sogenannten demokratischen Staaten zugrunde liegt und von ihren Regierungen geschützt wird, nur durch die Matrix der Gewalt aufrechterhalten werden kann. Ähnlich harmlos und neutral, wie uns die Geschichtszahlen im Lexikon begegnen, begegnen uns die Zahlen der Aktienkurse.

Und ähnlich grauenhaft ist das Schicksal der Lebewesen, aus deren Blut diese Zahlen gemacht sind.

Die Zahlen sind das Endergebnis einer Handlungskette mit sehr vielen Zwischengliedern. Wenn wir diese Kette bis zu ihrem Anfang zurückverfolgen, stoßen wir auf solche Abgründe von Brutalität und staatlich organisiertem Verbrechen, dass wir die Augen zudrücken müssen, um weiterleben zu können.

Wir erleben heute das weltweite Erbe einer blutigen Geschichtsepoche.

Was sich Menschen gegenseitig antun, was sie ihren Kindern antun, was sie den Tieren antun, kann nur noch ertragen werden durch eine rigorose Abwendung des Blicks. Weite Gebiete der Erde sind von den internationalen Hilfsorganisationen bereits aufgegeben worden, und von vielen Regionen hören wir deshalb nichts mehr in den Nachrichten, weil nichts mehr zu machen ist. Der einzige Grund, der uns heute noch ruhig schlafen lässt, ist der, dass wir (noch) nicht in der Reihe der Opfer stehen und uns nicht einmal vorstellen können, welche Realität hinter solchen Wörtern wie ”Holocaust”, ”Genozid”, ”Bürgerkrieg”, ”Waffenhandel”, ”Geheimpolizei”, ”Todesschwadron”, ”Folter”, ”Beschneidung”, ”Verstümmelung” etc. steckt. Alle diese Dinge gehören heute zur alltäglichen Realität von Millionen Menschen.

Die Folgen des internationalen Waffengeschäfts werden an Börsenkursen und Bankkonten gemessen, nicht an dem unbeschreiblichen menschlichen Elend, das dadurch verursacht wird.

Was hier passiert, durchfährt uns erbarmungslos, wenn wir daran denken: die Kinder, die hier verbrannt oder verstümmelt werden, könnten unsere eigene sein. Ein apokalyptisches Netzwerk der Gewalt hat sich über der Erde ausgebreitet, seitdem sich gegen Ende des Neolithikums der männliche Imperialismus gegen die Schöpfung, gegen das Leben, gegen das weibliche Prinzip erhoben hat.

Seit der patriarchalen Revolution besteht die Bedeutung der Macht darin, Gewalt auszuüben.

Alle großen politischen, wirtschaftlichen und ideologischen Systeme sind seitdem Systeme der Gewalt. Gewalt erzeugt Angst. Durch Angst werden die Menschen regierbar. Angst ist notwendig für die Aufrechterhaltung bestehender Gewaltsysteme. Angst ist die Blockierung unserer Liebesfähigkeit und Kontaktbereitschaft, sie ist auch die Kontaktsperre zwischen Mensch und Tier; Angst ist der zentrale ökologische Engpass unserer Zeit. Angst und Gewalt sind Zwillinge, von denen immer der eine den anderen hervorbringt. Angst führt zur Blockierung und Stauung elementarer Lebensenergien, wodurch in jedem ängstlichen Organismus eine latente Gewaltenergie entsteht. Auch die unbeschreiblichen Gräueltaten des deutschen Faschismus folgten dem grausamen Prinzip dieser Energieentladung. Diesen Vorgang muss man ganz tief verstehen, um ihn lösen und überwinden zu können. Die Entfesselung angstvoller Organismen durch Machtparolen und Feindbilder führt zu Eruptionen von kollektiver Gewalt, wie wir sie derzeit überall auf der Erde erleben.

Wir können das Problem nur lösen, wenn es gelingt, die globale Kette von Angst und Gewalt an einer wesentlichen Stelle zu durchbrechen.

Es genügen keine Friedensappelle und keine moralischen Argumente, denn Angst und Gewalt sind Vorgänge im menschlichen Organismus geworden, die tief mit der Struktur der bestehenden Gesellschaften verbunden sind. Heilungsarbeit und Friedensarbeit ist deshalb nicht nur individuelle, sondern immer auch politische Arbeit. Friedensarbeit für die Erde leisten heißt in unserer Zeit: Lebensbedingungen, ökonomische Strukturen, Produktionsverhältnisse, soziale Räume, sexuelle Räume, ökologische Umwelten und geistige Strukturen aufzubauen, welche in der Lage sind, strukturellen Frieden und strukturelle Heilung zu erzeugen.

Das Schlüsselwort für strukturellen Frieden heißt Vertrauen.

Angst und Gewalt können strukturell nur überwunden werden durch die Wiederherstellung jenes Urvertrauens, mit dem wir alle einmal unser Leben begonnen haben. Eine der wichtigsten Aufgaben derzeitiger Friedensarbeit ist deshalb der exemplarische Aufbau von Vertrauensräumen, wo dieses Urvertrauen zwischen allen Wesen wieder entstehen kann. Friedensarbeit leisten heißt des Weiteren, sich mit angstfreier pazifistischer Militanz für den Schutz des Lebens einzusetzen, wo immer man sich befindet. Lebensentscheidungen von solcher Art verlangen eine hohe revolutionäre Kraft. Sie entsteht dort, wo wir zu verstehen beginnen, was wir durch die Gewohnheit des Schweigens unseren Mitgeschöpfen angetan haben.

Das Massaker an Tieren stoppen

Ein spezieller Aspekt der globalen Gewalt ist die Gewalt an Tieren. Die alltäglichen Gräuel, die hier weltweit begangen werden, übertreffen an Grausamkeit und an Zahl jede Beschreibung. Was erlebt ein Hund, wenn er in der medizinischen Abteilung einer Universität lebendig seziert wird (Vivisektion)? Auf welchen Methoden von Tierhaltung und Tiervernichtung beruht unsere Gastronomie, unsere Kosmetik, unsere Pharmazie, unsere Kleidung? Welche Information von Angst und Grausamkeit wird durch ein Tierlabor, eine Pelztierfarm, einen Schlachthof in den Äther geschickt, vieltausendmal am Tag? Welche Leidensreise hat jenes Wesen durchgemacht, das jetzt bei McDonald als Hamburger oder BigMac angeboten wird?

Es kann auf der Erde keinen Frieden geben, solange wir aktiv oder passiv, als Täter oder Mittäter den Massenmord an Tieren zulassen.

Die Tiere sind Wesen wie wir, nur auf einer anderen Entwicklungsstufe. Sie sind beseelte, liebende, verspielte, neugierige, kontaktsuchende Wesen, die unsere Unterstützung brauchen, um auf diesem Planeten wieder zu einer sinnvollen Entwicklung zu kommen. Sie sind oft wie Kinder. Sie gehören zum Lebenskörper der Erde und sind – jedes auf seine Art und mit seinen besonderen Fähigkeiten – mitbeteiligt an der universellen Forschung, durch welche das Leben auf der Erde seinen Reichtum, seine Tiefe und seine Vollkommenheit erlangt. Sie helfen uns, das Leben zu verstehen, neue Möglichkeiten zu sehen, neue Orientierungen und neue Kommunikationsformen zu erlernen. Einige von ihnen, vor allem Wale und Delphine, haben unter Wasser eine kosmische Existenz und eine Intelligenz aufgebaut, welche unserer gegenwärtigen Kultur in mancher Hinsicht überlegen ist. Wir haben von ihnen zu lernen, statt sie zu töten.

Mensch und Tier sind Teil desselben Lebenskörpers der Biosphäre….,

…sie brauchen und ergänzen einander wie die Organe eines Leibes. Sie sind nicht nur auf Koexistenz, sondern auf aktive Kommunikation miteinander angelegt. Wo die wieder gelingt, merken wir, was die ursprünglichen Friedenskulturen der Erde immer gewusst haben: Tiere sind wie wir ein Aspekt des einen Seins und des einen Bewusstseins, und nur gemeinsam können wir die Schönheit des Lebens auf der Erde verwirklichen.

Tamera Manifest für eine neue Generation auf dem Planeten Erde

„Die Erde ist heilbar. Es gibt eine Welt, welche unsere Wunden heilt. Dies ist die Welt des unverfälschten Lebens. Und es gibt eine Welt, welche die Wunden verursacht: Es ist die Welt des Menschen. Diese beiden Welten müssen zusammenkommen, um künftiges Leiden zu verhindern.

Die Welt des Menschen muss wieder eingebettet werden in die grundlegenden Ordnungen des universellen Lebens.

Zu heilen sind zunächst die vier Grundlagen des Lebens: Energie, Wasser, Nahrung und – die Liebe. Diese vier Lebensquellen müssen befreit werden von den Dunkelmächten, die sie zerstört haben (Energiekonzerne, Diktaturen, Kirchen etc.). Dies ist kein privater und kein lokaler Kampf, sondern ein globaler. Es ist ein Kampf zwischen den globalen Kräften des Lebens und den globalen Kräften der Zerstörung. Wenn das Leben siegt, wird es keine Verlierer geben.“   Dieter Duhm

Terra Nova – Globale Revolution und Heilung der Liebe

Dr. Dieter Duhm, geb. 1942, Psychoanalytiker, Kunsthistoriker, Soziologe, Autor (u.a. „Angst im Kapitalismus“, „Aufbruch zur neuen Kultur“, „Der unerlöste Eros“, „Die heilige Matrix“), einer der führenden Köpfe der Emanzipationsdebatte in der 68er-Studentenbewegung. 1978 initiiert er ein dreijähriges soziales Experiments im Süden Deutschlands. Er entwickelt den „Plan der Heilungsbiotope”, eine globale Friedensstrategie. 1995 gründet er mit seiner Partnerin Sabine Lichtenfels und anderen das Friedensforschungszentrum Tamera in Portugal. Heute umfasst Tamera eine Gemeinschaft von ca. 160 Menschen und entwickelt ein umfassendes Lebensmodell für eine Zukunft ohne Krieg. In Tamera leitet Dieter Duhm die Abteilung für Eros, Kunst und Heilung und bereitet ein internationales Denk- und Bewusstseinszentrum für planetarische Transformation vor.

> Tamara Manifest

Über die wahren Präsidenten dieser Erde

> Projekt „Zukunft ohne Krieg“

> Dieter Duhm

> Tamara Healing Biotope

 

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