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Der natürliche Fluss

Rückkehr in den Garten Eden


 

Die Natur ist perfekt. Auch wenn der Mensch meint, er könne sie durch seine vermeintlich überlegene Technik verbessern, stellt sich dies früher oder später meist als ein Irrtum heraus. Und je länger er diesem Weg folgen wird, desto katastrophaler die Folgen.

Es gibt einen natürlichen Lebens-Fluss, der die gesamte Schöpfung durchzieht. Ein Kreislauf des Lebens, ein geschlossenes System der optimalen Ausnutzung von Energie und perfekten Symbiose allen Lebens.

Wer auch immer gegen diesen natürlichen Fluss arbeitet, wird sich in Schwierigkeiten wiederfinden – er kämpft und ringt sinnlos gegen den ewigen Strom des Kosmos, gegen die Grundlage seines eigenen Lebens. In seinem Wahn errichtet er verzweifelt ein künstliches System nach dem anderen und sieht es wieder untergehen. Würde er doch auf diesen Fluss lauschen und mit ihm fließen – er hätte die Kraft und Unterstützung der gesamten Natur hinter sich.

Vielleicht hat sich der Mensch noch nie so weit aus dem natürlichen Fluss entfernt wie heute. Alles steht Kopf. Tatsächlich fast alles, was der Mensch tut, ist so hoffnungslos verkehrt herum, so bizarr verzerrt und entstellt, dass es eigentlich kaum zu fassen ist. Unsere Zivilisation ist eine synthetische Illusions-Blase, eine abstruse Lüge, die sich längst selbst enttarnt hat. Aber statt aufzuwachen, stützen wir das zusammenbrechende Gebilde in unserer Gier mit immer neueren, verzweifelteren Konstrukten.
Doch nichts, was sich gegen den natürlichen Fluss stellt, hat langfristig Bestand. Es kehrt entweder zurück, oder es wird untergehen.

Der Wahnsinn unserer Kultur

Die Natur ist perfekt, extrem effizient – und mühelos. Wann immer wir kämpfen, uns abmühen, Probleme sich über Probleme häufen, können wir uns fast sicher sein, dass wir den natürlichen Fluss verlassen haben.

Es gibt für unsere Zukunft ein einziges, einfaches Rezept: Von der Natur lernen.

Wir müssen nur hinsehen, und verstehen, erfühlen, wie das Leben Dinge tut – und es dann kopieren. Es werden langfristig keine zwei Systeme auf dieser Erde existieren. Es wird Zeit, dass wir der Natur wieder zuhören und in Einklang leben mit den Gesetzen des Lebens, deren Manifestation sie ist. Nur dann wird auch der Mensch endlich gedeihen können und das immense Potenzial leben, das wir nicht mal begonnen haben zu erkennen.

Wie verrückt ist es eigentlich, eingebettet in ein perfektes System zu leben und dann das genaue Gegenteil von dem zu tun, was sämtliche Lebewesen um einen herum tun? Wie blind muss man sein?

Heute wachsen wir in der Lüge auf und das menschliche System ist uns so nah, dass es einen langen Aufwach-Prozess braucht, um den blanken Wahnsinn zu erkennen, auf den es tatsächlich gegründet ist. So fällt es – um ein einfaches Beispiel zu nehmen – anscheinend fast niemandem mehr auf, dass es in der gesamten Natur keinen Müll gibt, nur bei uns. In der Natur ist alles Rohstoff, alles ist Teil eines einzigen großen Kreislaufs des Lebens. Das menschliche System hingegen produziert auf der einen Seite ausgelaugte Wüsten und auf der anderen Seite gigantische Müllberge.

Es ist so armselig, wenn man tiefer darüber nachdenkt. Hätten wir noch irgendeinen Bezug zur Natur, müssten wir schon beim ersten Auftreten von Müll schockiert innehalten und erkennen: Hier stimmt etwas nicht, irgendetwas machen wir falsch!

Aber stattdessen versuchen wir, es irgendwie geradezubiegen. Das wird niemals klappen. Es gibt keine Lösung für Probleme, die gar nicht existieren dürften. Das ist überall der Fall – so kann beispielsweise auch das Problem unserer Wirtschaft nicht nachhaltig gelöst werden, bis wir erkennen, dass es in der Natur keinen Tausch gibt. Es ist an der Zeit, dass wir uns in den Kreislauf des Lebens integrieren. Unsere Technik wird nur dann hilfreich sein, wenn sie diese abbildet und unterstützt.

Rückkehr in den natürlichen Fluss

Aber noch zieht sich der Wahnsinn durch alle Bereiche, von der Geburt, über die Bildung, die Wirtschaft, die Landwirtschaft, Architektur, Energieerzeugung – einfach alles ist verkehrt herum, ganz hoffnungslos verkehrt herum. Wie sehr alles auf dem Kopf steht, lässt sich in Kürze gar nicht beschreiben. Als ich begann, es zu sehen, war es Schock und Offenbarung zugleich. Einerseits die Fassungslosigkeit über die eigene und die kollektive Blindheit, andererseits die Ehrfurcht, Begeisterung und das beglückte Verblüffen darüber, wie perfekt die Schöpfung eigentlich ist. Dass das Leben doch so sein könnte, wie ich es in meinem Herzen schon immer gefühlt hatte. Und ein Erahnen, was es bedeuten würde, was möglich wäre, könnte der Mensch zurückkehren in den natürlichen Fluss des Lebens.

Bei all den Prozessen, die derzeit in der Welt ablaufen, geht es für mich um diese eine Sache: Die Rückkehr in den natürlichen Fluss. Egal, welches menschliche Problem wir betrachten, die Lösung ist immer die gleiche: Wir müssen hinsehen, wie das Leben Dinge tut.
Dieser Schritt mag radikal erscheinen, vielleicht utopisch. Aber wirklich utopisch wäre zu glauben, dass das, was wir derzeit tun, irgendeinen Bestand haben kann. Eine Illusion mag einige Zeit halten, vielleicht viele tausende Jahre, aber sie bleibt eine Illusion und sie wird platzen.

Botschaft eines Gemüsegartens

Ich wünschte, jeder Mensch könnte einen Gemüsegarten haben, denn in diesem kleinen Abbild des Großen versteht man schneller die komplexe Einfachheit und Genialität des Lebens.

Unsere Landwirtschaft ist ein gutes Symbol für das menschliche System in all seinem Wahnsinn

Unter großem Aufwand gräbt der Mensch das Land um, pflanzt gigantische Monokulturen, zerstört ganze Ökosysteme. Nach einiger Zeit sind die Böden ausgelaugt, tragen immer schlechter, das Gemüse verliert 60% seines Nährwerts. Die wichtigen oberen Humusschichten – das Fleisch unserer Erde, spülen weg, hinterlassen eine verfestigte, tote Sandwüste. Nur durch fortwährendes Pflügen und eine permanente Bewässerung und Düngung mit immer monströseren Maschinen kann immerhin noch Gemüse gedeihen, das noch entfernt an den Geschmack der Frucht erinnert, die es angeblich darstellen soll. Wenige hundert Meter weiter stehen Wald und Naturwiese in voller Blüte – ohne Umgraben, ohne Wässerung, ohne Dünger, ohne Arbeit. Aber der Mensch bemerkt es nicht.

Durch die Zerstörung der Ökosysteme tauchen bald Unkräuter und Schädlinge auf, die sich plötzlich vermehren wie verrückt. Entweder müssen die Unkräuter unter großem Aufwand beseitigt werden, oder sie werden chemisch getötet. Aber über kurz oder lang werden sie resistent und die Chemikalien müssen so stark dosiert werden, dass sie auch das Gemüse töten würden. Damit dass nicht passiert, entschließt der Mensch sich zu einer verzweifelten Tat: Er verändert das Erbgut der Pflanze so, dass sie als einzige den Angriff mit der Chemie-Keule überlebt, als genveränderte Zombie-Frucht. Doch schon bald mutieren die Unkräuter, danach die Insekten… und es hört nicht auf. Wie eine echte Tomate schmeckt, haben wir längst vergessen.

Die Lösung für alle diese Probleme lebt die Natur überall vor: Nirgendwo in der Welt gibt es freiliegende Erde – außer in Wüsten.

Gaia lebt, der Erdboden ist ein komplexes Ökosystem aus tausenden Lebewesen, von denen kein einziges überflüssig ist.

Nichts in der Natur ist überflüssig. Die schützende Erdbedeckung zu entfernen wäre, wie uns die Haut abzuziehen – es endet unweigerlich mit dem Tod. Jedes Feld der konventionellen Landwirtschaft ist eine Fleischwunde des Ökosystems.

Tausende Kleingärtner, Permakultur-Bauern und Selbstversorger haben dies seit vielen Jahren erkannt und bedecken ihre Beete – wie in der Natur – mit einer Schicht aus organischem Material. Sie bietet den wichtigen Kleinstlebewesen Schutz, lockert und düngt den Boden, speichert Wasser. Nicht nur tritt keines der konventionellen Probleme auf (Humusverlust, Erdverdichtung, Verwüstung, Vertrocknung, Düngung, Unkräuter, Schädlinge…), solche Gärten sind auch völlig mühelos. Es ist kein Umgraben nötig, kein Pflügen, kein Bewässern, kein Unkraut-jäten – all das erledigt die Natur von selbst.

Hat man es auf die alte Weise probiert, mit dem ganzen elenden rumgegrabe, dem Schweiß, den Rückenschmerzen, dem Stress mit den Unkräutern, der Angst vor Austrocknung, dann weiß man, was es bedeutet, aus dem natürlichen Fluss zu sein. Und wenn man es dann endlich begreift, kann man es nicht mehr fassen, was man so lange für normal gehalten hat. Der Garten Eden ist jederzeit möglich.

Es ist nicht normal

Was hat das mit unserer Welt zu tun? Alles. Es ist dasselbe, egal wohin wir sehen. Jeder einzelne Bereich, jedes einzelne Detail unserer Zivilisation folgt dem gleichen Prinzip. Wir stellen die natürlichen Kreisläufe auf den Kopf und suchen dann nach einer Hi-Tech-Lösung für das entstehende Chaos, statt das System selbst zu hinterfragen. Aber innerhalb eines falschen Systems gibt es keine richtigen Lösungen. Immer größer wird die künstliche Illusion, so groß, dass wir völlig vergessen, was das Leben ist, gefangen in einem wahnwitzigen Albtraum.

Wir leben, als wäre das alles normal. Aber nichts davon ist normal. Der obdachlose Zeitungsverkäufer in der U-Bahn, ist nicht normal, er ist eine Anklage an unsere gesamte Spezies. Die Kinder auf Ritalin sind nicht normal. Die zerstörten Regenwälder, die Milliarden von Tieren, die für unsere Hamburger getötet werden. Die Kriege. Die Edelmetall-Minen für unsere Smartphones. Die Antidepressiva. Die verhungernden Menschen. Konzerne die Pflanzen patentieren, 8-Stunden-Arbeitstage, Depressionen, Schulen, Armut, Müllberge, Ölteppiche, Großkonzerne, Hungertote, TV-Shows. Nichts daran ist normal. Und so lange wir so tun, als gäbe es irgendeine Zukunft für all das, so lange belügen wir uns.

Gerne würden wir glauben, eine neue grüne Technologie, ein neues Geld, irgendeine neue Idee könnte unsere Probleme lösen. Dass wir es irgendwie geradebiegen, einfach weitermachen könnten. Aber das wird niemals geschehen. Entweder, wir kehren zurück in den natürlichen Fluss, oder wir werden untergehen. Ich sage dass ohne Angst und Drohung, so nüchtern, wie ich kann. Denn ich glaube, es wird Zeit, dass wir dieser Realität ins Auge sehen.

Es gab eine Zeit, als ich Wut empfand, heute ist es vor allem Trauer. Und gleichzeitig habe ich Frieden damit. Denn auch wenn ich gezwungen sein mag, in diesem System zu leben, wird die Verbindung dazu in meinem Inneren mehr und mehr gekappt. Meine Seele wird frei.

Ich habe wieder gelernt, mit dem Wind zu sprechen, die Erde zu fühlen. Und es kümmert mich nicht, wenn man mich für verrückt hält.

Denn der Spiegel der Realität zeigt uns allen klar und unmissverständlich, was der wirkliche Wahnsinn ist.

Der Garten Eden

Ich glaube, dass wir Menschen hier sind, um diese Lektion zu lernen: Was es bedeutet, wenn man den natürlichen Fluss verlässt. Es ist unsere Lektion und unser Karma. Im übertragenen Sinne sind wir die gefallenen Engel, die beschlossen haben, sich dem Willen des Schöpfers zu widersetzen.

Nun können wir erfahren, wie das ist. Es wird keine Lösung für unser Leid geben, wenn wir nicht in den natürlichen Fluss zurückkehren. Die Schöpfung folgt einem bestimmten Energiemuster, das selbst sein eigenes Gleichgewicht erhält und immer zu diesem Gleichgewicht zurückkehrt.

Der Garten Eden ist keine Utopie, er ist die einzige geistig gesunde Wahl, die wir Menschen treffen können. Der einzige Weg zu leben, der eine Zukunft hat.

Autor:
David Rotter, er ist Vater, Gärtner, Technik-Freak, Natur-Hippie, Träumer, Realist, Denker, Fühler, Tänzer, Meditierer, Kind, Mann, Mutmacher, Aufschreiber und viele andere Dinge. Seine persönliche Herausforderung und seine Botschaft ist die Rückkehr zu einer authentischen Natürlichkeit in allen Bereichen des Lebens.

Dieser Beitrag von ihm erschien auf sein.de
Seine persönliche Homepage – den-weg-gehen.de

Bild:
Woid Woife

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