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Der Baum als Ur-Erfahrung

Lebendige Mythologie heute – Eine Hommage auf unsere Freunde, die Bäume


 

So sehr wir es uns vielleicht auch wünschen mögen, in Westeuropa stammen wir nicht aus gerader Linie von alten Weisheitskulturen ab. Das christliche Erbe der Trennung von Geist und Materie hat tiefe Spuren hinterlassen. Es bereitete den Boden für die „Aufklärung“ und ihren ausgeprägten Dualismus und das mechanistische Weltbild. Auf diesen wiederum gründen die heutigen Paradigmen der Wissenschaft und gewaltige (und gewalttätige) politische und wirtschaftliche Entscheidungen (Palmölindustrie, Entwaldung, Gen- und andere Biotechnologien).

Die Ausbeutung der Erde findet weiterhin in Riesenschritten statt, während wir so gut wie nichts über die Regulations- und Lebensprozesse von Gaia, dem Organismus Erde, wissen. Die einzelnen Disziplinen wie Physik, Chemie und Biologie haben noch nicht einmal eine gemeinsame Definition von „Leben“ entwickeln können. Wir wissen nicht, was Leben wirklich ist, aber wir löschen es aus, wo immer wir es zu Geld machen können. All dies hat leider nichts zu tun mit dem Christus-Impuls geistigen Lichts, das in die Materie getragen werden soll: Liebe.

Lebendige Bäume sind ausgezeichnete Lehrer und Vorbilder für den Bewusstseinswandel, den wir vollziehen müssen.

Haben Sie eine Panikattacke, Sorgen um die Heizrechnung, Verzweiflung über die Steuererklärung? Gehen Sie einfach in den nächsten Wald und lassen Sie sich von den Bäumen daran erinnern, wie lang unsere gemeinsame Freundschaft bereits währt – trotz der dunklen Phase der Verwirrung, die die Menschen vor etwa dreitausend Jahren zu erfassen begann.

Sind Sie mental zu überaktiv, brauchen Sie Ruhe und Entspannung?
Die Bäume können Ihnen das Meditieren erleichtern.

Sind Sie ausgelaugt und erschöpft?
Der Wald ist erwiesenermaßen voller Lebensenergie – tanken Sie auf!

Erleben Sie gerade Trauer?
Dann lassen Sie sich vom Wald daran erinnern, dass alles im stetigen Wandel ist.

Die schönsten Blüten, die mächtigsten Bäume können nur erscheinen, weil der Zyklus vollständig ist, weil die Pilze und Mikroorganismen ihre Arbeit der Zersetzung tun. Überall heißt es Abschied nehmen. Überall gibt es aber auch neue Begegnungen. Kein Frühling ohne Herbst.

Durch die Erlebnispädagogik hat die Psychologie in jüngster Zeit gelernt, dass alle Lebewesen ein Teil von uns sind. Durch jede Tier- und Pflanzenart erlebt ein Kind auch einen neuen Teil in sich selbst. Und wie oft drücken Kinder dies dann im Spiel aus, sie wollen Tiger sein oder Pferd, ein Vogel, ein Fisch, ein Krokodil. Viele Tiernamen gehören gleich nach „Mama“ und „Papa“ zum frühesten Sprachschatz. Natürlich stehen uns Tiere emotional näher, aber dasselbe gilt auch für Pflanzen und Bäume.

In der Gegenwart einer Eiche entdecken wir, auch als Erwachsene, feine Gefühlsströme, zarteste Regungen neuer Variationen unseres Identitätsgefühls, wie sie nur bei der Eiche auf uns warten. Die Birke ist eine ganz andere Welt, genauso in uns verankert, genauso unerweckt. Auch Ulme, Buche, Ahorn sind allesamt Tore zu anderen Dimensionen unseres umfassenderen Selbst.

Unter jedem Baum wartet eine neue Erfahrung der Selbsterkenntnis auf uns.

Sind Sie bereit, das Universum zu entdecken?

Die Erde ist auch unsere Seelenlandschaft. Die Trennung zwischen Innen und Außen ist imaginär. Wo der Mensch die Landschaft zerstört und eine Ödnis daraus macht, besiegelt er eine innere Leere, in der kein Leben mehr ist. Der zur Zeit noch erschreckende Zustand der kranken materiellen Erde entspricht bis aufs Haar der inneren Verwüstung der kollektiven Menschheit.

Um wegsehen zu können, während die Erde brennt, haben wir rechtzeitig Computerspiele und vielerlei bunte Ablenkung erfunden, mit denen wir Höhlenbewohner es uns in unserer erstarrten Verpuppung gemütlich machen.

Aber die Seele ist nicht umsonst nach dem Schmetterling benannt, sie hat auch Flügel! Die wachsen aus dem Herzen, und irgendwann wird der Kokon zu klein, und wir müssen ihn aufbrechen. Dann beginnen wir, uns einzusetzen für alles Lebendige.

Wann immer Sie Ihre Flügel zucken spüren, zögern Sie nicht!

Das Licht ist immer da.

Ein strahlendes Herz leuchtet überall – die Bäume lieben das.

 

Fred Hageneder > Der Geist der Bäume <

 

 

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Hintergrundbild: Michael Glass

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