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Der Segen der Natur

Die Verbindung zwischen Mensch und Natur


 

Interview mit Dorothy Maclean, einer der Gründerinnen der spirituellen Gemeinschaft Findhorn im Norden Schottlands. Findhorn wurde berühmt für die tiefe Verbindung zwischen Mensch und Natur, welche die Menschen dort erstellten und für die Dorothy Maclean wegweisend war. Wie sie mit den Devas der Pflanzen kommuniziert und welcher Segen für uns Menschen daraus erwächst, darüber erzählt Dorothy Maclean.

Gemeinsam mit Eileen und Peter Caddy haben Sie im Jahr 1962 die spirituelle Gemeinschaft Findhorn im Norden von Schottland gegründet. Dadurch, dass Sie mit den Pflanzen-Devas in Kontakt getreten sind, ist es Ihnen gelungen aussergewöhnlich grosses Gemüse hervorzubringen, das weltweit bekannt geworden ist. Können Sie uns mehr darüber erzählen?

„Zehn Jahre lang übten wir uns darin, den Kontakt mit unserer eigenen inneren Göttlichkeit herzustellen. Der innere Gott ist für mich die Lebenskraft, die Allem innewohnt. Wir verbrachten also zehn Jahre mit diesem individuellen inneren Training, mit diesem Lernen und mit den Antworten, die wir auf unsere Fragen erhielten, und all das half uns die Liebe, die wir so stark fühlten, in unseren Alltag zu holen. Wir wussten nicht, warum wir zusammen waren, wir wussten einfach, dass es so sein musste, und auf diese Weise entstanden später Findhorn und der Wohnwagen-Park. Wir hatten weder Arbeit noch Geld und wandten uns an die Sozialhilfe, die uns aber nur sehr wenig zusprach. Also begann Peter für unsere Ernährung Gemüse anzupflanzen. Allerdings war da keine Erde, sondern nur Sand und Kies, und das Gemüse wuchs recht kläglich.

In einer Morgenmeditation wurde mir gesagt, dass ich mit der Natur in Kontakt treten solle. Ich hielt dies für eine willkommene Ausrede um lange Spaziergänge zu unternehmen. Peter erinnerte mich allerdings daran, dass auch der Garten zur Natur gehörte. Also fragte ich am nächsten Morgen nach, und da hiess es:

Ja, alles in der Natur hat beseelte Präsenz – sei es ein Planet, eine Wolke oder ein Gemüse.“

Meine Aufgabe sei es nun, Harmonie herzustellen, ich müsse mich in die Essenz dieser beseelten Intelligenz einstimmen. Ich fand das ziemlich dumm – wie kann ein Gemüse intelligent sein? Doch ich hatte zehn Jahre lang die Erfahrung gemacht, dass die Botschaften aus dieser Quelle immer zuverlässig und wertvoll waren.

Kurz darauf fühlte ich die nötige Kraft und begann mit einem Gemüse zu üben, das ich gern ass – mit der Gartenerbse. Was also ist die Essenz einer Gartenerbse? Ich wusste es nicht. Aber ich kannte die äussere Form, das Blatt, die Farbe, den Geruch, den Geschmack, und ich dachte, dies alles könnte zur inneren Essenz führen. Ich richtete also meinen Fokus auf diese innere Essenz und zu meiner Überraschung erhielt ich eine Botschaft.

Dies geschah auf dieselbe Art, wie mir jeweils vom inneren Gott Wissen übermittelt wird: Ich sehe und höre nichts, ich erhalte die Bedeutung und muss diese selbst formulieren. Ganz am Anfang war ich dazu aufgefordert worden das Hören aufzugeben. Bei mir ist es ein Verstehen, für das ich Worte finden muss. Die allererste Botschaft, die direkt aus dem Gewahrsein kam oder was immer sich da hinter der Gartenerbse befand, lautete, dass wir Menschen grosse Lichtwesen seien, die fokussieren und mit der Pflanze kooperieren und ihr helfen könnten.“

Wie begannen Sie mit der Natur zusammenzuarbeiten?

„Da ich die Botschaften nicht durch Sehen oder Hören empfange, muss ich in meine göttliche Ganzheit hineingehen und mich dieser Energie hingeben. Ich richte also mein Gottselbst auf das andere Gottselbst aus, und zwar nicht auf eine individuelle Pflanze wie zum Beispiel eine einzelne Rose, sondern auf die Spezies. Wenn ich mich auf eine Rose einstimme, dehne ich meine Energie aus und erreiche die Seelen aller Rosen auf dem ganzen Planeten, die Überseele der Rosen, und dann lasse ich sie zu mir sprechen oder stelle ihr eine Frage. So kommt in der Regel eine Kommunikation zustande.“

Gingen Sie physisch zur Pflanze hin, oder konnten Sie von zuhause aus während einer Meditation den Kontakt mit ihr herstellen?

„Wenn ich die Pflanze kannte und ihre Energie wahrnahm, musste ich nicht zu ihr hingehen. War sie mir ganz fremd, musste ich sie berühren und erfühlen. Über die Pflanzen zu lesen reichte nicht aus, denn das Lesen ist mental. Es handelte sich nicht um eine mentale Kontaktaufnahme.“

Sie haben sich also mit verschiedenen Pflanzen verbunden und danach wuchsen sie so prächtig und wurden so gross?

„Nun, auf einmal war da etwas präsent, das für alles Leben in jener Gegend zuständig zu sein schien – Gemüse, Tiere, Mensch, Engel, Erzengel. Ich nannte es den Landschaftsengel. Ein schlechter Name, finde ich heute, denn das Wesen umfasste viel mehr als die Landschaft. Es war eine Repräsentation des ganzen Planeten, die uns da beim Erfüllen unserer Aufgaben unterstützte. Das bedeutete für mich zweierlei:

Erstens kann jeder diese Verbindung mit dem inneren Gott herstellen, zweitens hat die Natur eine Intelligenz und wir sind in der Lage bewusst mit ihr zusammenzuarbeiten.

Die Devas, die Pflanzenengel, waren so froh! Das war es, was sie wollten: mit Menschen zusammenzuarbeiten, die sie wahrnehmen. Natürlich halfen sie uns; denn wir baten ja um Unterstützung. So flossen ihre und unsere Energien zusammen und gaben den Pflanzen besondere Kraft.“

Ich stelle mir vor, dass es um mehr ging als um das Gemüse. Unterstützte dieses Wesen die Entwicklung der ganzen Gemeinschaft?

„Am Anfang waren wir eine sehr kleine Gemeinschaft – nur Peter, Eileen, ich und eine vierte, sehr schüchterne Person, die nicht im Vordergrund stehen wollte. Wir waren absolut vereint in dieser Sache, obwohl wir keine Ahnung hatten, was geschehen würde. Dass der Garten gedieh, ist bekannt. Anfangs hatte uns der Landschaftsengel gesagt: „Ihr könnt nicht erwarten, dass auf Sand gesundes Gemüse wächst.“ Dann wurden wir angewiesen, wie man Kompost anlegt. Wir erhielten stets Hilfe für den nächsten Schritt.“

Sie vertrauten also auf die Botschaften des Landschaftsengels und hatten nicht von Anfang an bestimmte Ziele.

„Nein, nein! Wir wussten nicht, warum wir dort waren. Ganz am Anfang hatten wir die Anweisung niemanden einzuladen, nicht einmal unsere Familien. Und wir durften nicht an die Öffentlichkeit gehen. Später kamen von überallher Leute und erzählten wundersame Geschichten, wie sie nach Findhorn geführt worden seien. Ich glaube, dass wir energetisch diejenigen erreichten und anzogen, die offen waren für die Art, wie wir arbeiteten.“

Sie haben grossen Einblick ins Pflanzenreich und wissen, wie aus einer Idee, die auf der ätherischen Ebene entstanden ist, in der Materie eine Pflanze geformt wird. Erzählen Sie uns bitte mehr über diesen wunderbaren Prozess.

„Ich würde sie nicht ätherische Ebene nennen. Ich habe mit den Devas, der Ebene jener Intelligenz gearbeitet, wo die Muster für alle Formen entstehen. Es ist die Plan-Ebene – oberhalb der ätherischen Ebene. Eine der Personen, die zur Gemeinschaft gestossen waren, arbeitete mit den Wesen der Erde, der Luft, des Feuers und des Wassers.

Diese Elementarwesen bringen die Form der Pflanze auf die physische Ebene herunter.

Es ist ein Wunder. Gewöhnlich halten wir das alles einfach für normal und sagen nicht einmal Danke. – Wir müssen lernen uns zu bedanken.“

Mit unseren Körpern geschieht dasselbe, nicht wahr? Arbeiten Sie für Ihren Körper auch mit diesen Ebenen?

„Ich habe grosses Glück. Ich war immer sehr gesund und so wurde meine Aufmerksamkeit nie zu meinem Körper gezogen. Aber ich trage Sorge zu ihm.“

Das Pflanzenreich ist ein grosser Segen für die Menschheit. Es nährt uns auf verschiedenen Ebenen. Wie können wir heutzutage mit den Pflanzen-Devas in Kontakt treten und was können wir von ihnen lernen?

„Zuerst müssen wir unsere eigene Ganzheit finden, unser eigenes inneres Gottselbst. Gemäss allen Lehren ist Gott die Liebe.

Und es ist nicht möglich einen Kontakt herzustellen, weder zu einer Pflanze noch zu einem Tier noch zu irgendwem, es sei denn, ich begegne meinem Gegenüber mit Liebe. Sie ist die Brücke.

Ich tauche zuerst in meine eigene Ganzheit ein und von da aus kommuniziere ich mit der Ganzheit der Pflanze. Die Pflanze hat auch ein Gottselbst, und diese Intelligenz ist eine Bewusstseinsebene, zu der wir gewöhnlich keinen Zugang haben. Diese Engel sagen uns nicht, was zu tun ist. Sie sind nicht unsere Herren und wir nicht ihre Diener, sondern sie wollen, dass wir unsere eigenen Fähigkeiten entwickeln und ebenbürtig auf gleicher Stufe mit ihnen zusammenarbeiten. Wir können aber nur Ihre Partner sein, wenn wir nicht im Intellekt stecken bleiben – wir müssen grösser werden, als wir normalerweise sind.“

Um zu sehen, wie gross wir wirklich sind, müssen wir also lernen mit unserem inneren Selbst in Kontakt zu treten?

„Ja, und wenn wir unser inneres Selbst, das Gott ist, berührt haben, können wir mit Allem in Kontakt treten; denn das Gottselbst ist auch dort.“

Wenn wir dorthin gelangt sind, was nicht so einfach ist, können wir in einem nächsten Schritt die Naturwesen erreichen?

„Es ist nicht einfach. Wir haben eine Übung entwickelt, die den Menschen hilft ihren eigenen einzigartigen Weg zu finden. Sie dauert etwa eine Stunde und würde den Rahmen dieses Interviews sprengen.“

Besteht Ihre Hauptarbeit jetzt darin, dass Sie die Menschen mit ihrem inneren Gott in Verbindung bringen?

„Ja, und mit der Intelligenz der Natur.

Die Menschheit verschmutzt den Planeten so sehr, dass wir uns unbedingt mit diesem Aspekt befassen müssen.

Denken Sie, dass die Menschen heute weniger mit der Natur in Kontakt stehen als zum Beispiel im Jahr 1962, als Sie Findhorn gründeten?

„Wir haben heute mehr Probleme, mehr Stress und die Nähe und die Liebe zur Natur sind in den Hintergrund gerückt. Das macht es schwierig. Wir sind in einer Krise, an einem Wendepunkt. Der Planet fordert uns auf, etwas zu ändern.“

Arbeiten Sie auch mit jungen Leuten? Kommen Menschen jeden Alters zu Ihnen?

„Das Alter spielt keine Rolle. Für jemanden unter dem Teenager-Alter ist es jedoch zu früh. – Es sind vor allem Frauen, die kommen. Meistens ältere Frauen. Wenn wir junge Menschen erreichen, ist das wunderbar.

Viele Junge sind an der Natur und am Kontakt zu ihr interessiert.

„Sie sehen die ganze Unordnung und sind am Suchen, so wie wir damals. Wir suchten Antworten, und deshalb sind wir jetzt hier.“

Sie können heute auf einen langen, erfahrungsreichen Weg zurückblicken. Was sehen Sie als Ihren nächsten Schritt?

„Ich will diese beiden grundlegenden Schritte tun und sie in die Gegenwart bringen. Sie sind ebenso wichtig wie vor fünfzig Jahren, wenn nicht noch wichtiger. Ich möchte sie den heutigen Menschen offenlegen und verfügbar machen.“

Wo geben Sie Ihre Seminare?

„Überall auf der Welt. Wo immer ich eingeladen werde, gehe ich hin. Europa, Südamerika, die Staaten, Kanada. Früher machte ich alles allein. Heute brauche ich Hilfe.“

Darf ich fragen, wie alt Sie sind?

„87. Im Januar werde ich 88.“

Das ist schön. Ich würde Sie gern noch nach dem grössten Segen in Ihrem Leben fragen?

„Dafür, dass ich diesen inneren Kontakt mit Gott herstellen konnte, bin ich sehr dankbar.“

Möchten Sie unseren Leserinnen und Lesern noch etwas Wichtiges sagen, das wir nicht angesprochen haben?

Nun, wendet diesen inneren Kontakt an! Übt ihn! Gebt nicht auf, auch wenn Ihr langsam vorankommt. Es lohnt sich.

„Ich empfehle Euch, den Morgen damit zu beginnen. Ganz am Anfang tat ich es dreimal am Tag – etwa zehn Jahre lang. Ich setzte mich hin und war innerlich offen für das, was zu mir kommen musste, ohne zu wissen, was das sein würde. Gott weiss, was wir brauchen.“

Sie haben uns einige der Botschaften aus dem Jahr 1952 in schriftlicher Form geschickt.

„Ja, das sind die ganz frühen Botschaften vom inneren Gott und von den Naturreichen. Ich habe sie jeweils aufgeschrieben, und die Notizen der beiden ersten Jahre sind Teil meines letzthin erschienenen Buches. Es ist ganz neu und noch in keine andere Sprache übersetzt.“

Was ist Ihre Vision von der Menschheit. Wie wird sie sich entwickeln?

Unsere Bestimmung ist es, liebevoll durch die Welt zu gehen.

Wie wird die Welt aussehen, wenn sehr viele Menschen das tun?

„Sie wird ganz anders aussehen. Die Natur ist ein wesentlicher Teil des Planeten. Die Menschen müssen mit ihr und untereinander viel enger zusammenarbeiten.“

Dorothy Maclean, ich danke Ihnen sehr herzlich für dieses wertvolle Gespräch.

Dieses Interview im Dezember 2007 führte Charlotte van Stuijvenberg und wurde durch Esther Kaiser Messerli vom Englischen ins Deutsche übersetzt.

Quelle:  LichtWelle-Zeitschrift.ch


 

Dorothy Maclean, geb. 7.01.1920, ist eine der Gründerinnen der bekannten Findhorn-Gemeinschaft im Norden Schottlands. Im Jahr 1954 nahm sie Kontakt auf mit einem Aspekt, den sie als „god within“ (Gott im Innern) bezeichnete und hat sich während beinahe 10 Jahren in der Meditation täglich mit dieser inneren Quelle verbunden. Diese Periode bezeichnete Sie später als die Zeit, in der sie sich in Gott verliebte. 1963 leitete diese innere Quelle sie dazu an, mit der „beseelten Intelligenz der Natur“ Kontakt aufzunehmen. Ihre Begegnungen mit den Devas und Engeln der Natur waren ausschlaggebend für das Anlegen der Gärten, aus welchen sich die Findhorn-Gemeinschaft entwickelte. Das Potential des Mitschöpfertums gemeinsam mit den Kräften der Natur, welches in den frühen Tagen der Findhorn-Gärten sichtbar wurde, bildet eine Quelle der Inspiration für zukünftige Entwicklungen.
Homepage von Findhorn: www.findhorn.org


 

Bild: Michael Glass


 

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